#mastodon

WTF ist #Mastodon?

Die Mammutiden (Mammutidae), ursprünglich auch Echte Mastodonten genannt, sind eine ausgestorbene Familie der Rüsseltiere (Proboscidea) aus Neogen und Quartär. Innerhalb dieser stellen sie eine sehr urtümliche Form dar. Sie waren über die gesamte Alte Welt bis nach Amerika verbreitet und starben dort erst zum Ende des Pleistozäns vor ca. 10.000 Jahren aus. (wikipedia)

Es geht momentan durch die Twittersphäre, und ich nehme mich da auch nicht aus. Damit ihr versteht, was #Mastodon ist, biete ich euch hier Erklärungen in verschiedenen Detailgraden an.

tl;dr

Mastodon ist eine Mischung aus Twitter und E-Mail. Wie bei Twitter gibt es eine Timeline, man kann Leuten folgen, tweeten (heißt bei Mastodon „tröten“), retweeten („boost“) und faven. Der Unterschied ist im Grunde nur, dass die Adresse wie bei einer E-Mail aus zwei Teilen besteht, dem Nutzernamen und dem Rechner, auf dem man sich angemeldet hat. Also statt @elbblick auf Twitter heißt es nun @elbblick@elb.cloud bei Mastodon. Ein beliebter Anbieter ist zum Beispiel mastodon.social.

Ein dezentrales Twitter ohne kommerziellen Zwang

Mastodon ist ein dezentrales soziales Netzwerk, das in der Bedienung stark an Twitter angelehnt ist. Die grundlegenden Mechanismen sind gleich, es lassen sich bis zu 500 Zeichen lange Mikroblog-Beiträge verfassen, beantworten, teilen und favorisieren. Der Unterschied zum Marktführer ist, dass es nicht auf einer zentralen Serverstruktur eines Unternehmens aufsetzt, das über alle Inhalte die Kontrolle hat (Twitter), sondern dass es sich um verschiedenste Betreiber handelt, die jeweils ihre eigene sogenannte Instanz (sowas wie eine Nachbarschaft) aufsetzen und diese mit dem Mastodon-Netzwerk verbinden können.

Das führt zum Einen dazu, dass die Benutzernamen nicht nur aus einem Handle bestehen, sondern dass die Instanz ebenfalls mit dazugehört. Als Beispiel sei hier elb.cloud genannt, meine private Instanz, auf der zum Beispiel der Benutzer elbblick existiert. Statt @elbblick bei Twitter ist der Benutzername nun als @elbblick@elb.cloud, in etwa so, wie es bei E-Mails der Fall ist. Damit ist es möglich, Nutzern auf anderen Instanzen problemlos zu folgen. Ich kann ja auch problemlos E-Mails an Nutzer anderer E-Mail-Anbieter senden.

Zum Anderen ist das Netzwerk an sich widerstandsfähiger. Wenn eine der Instanzen gerade mal down ist, sind die anderen davon nicht beeinflusst. Die Server untereinander kommunizieren automatisch nach einem gemeinsamen Protokoll.

Durch die Dezentralität sind zudem die Daten in den Händen mehrerer Leute und können nicht mehr zentral ausgewertet und kommerziell ausgeschlachtet werden. Brandbuilding wird nach wie vor gehen, es geschieht nur nach neuen Regeln. Werbung und andere Dinge sind hingegen deutlich schwieriger. So ist es zwar möglich, Werbung auf der eigenen Instanz auszuspielen, und natürlich über einen Brand-Account, aber darüber hinaus gibt es keine Möglichkeiten. Es ist letzten Endes also die Demokratisierung von Twitter.

Und genau hier liegt der Schlüssel: Wenn eine Instanz sich nicht gegen Nazis oder hetzerische Inhalte oder oder oder stellt, kann ich sie von meiner Instanz aus sehr leicht blocken, für alle Nutzer dieser Instanz. Wenn das den Nutzern meiner Instanz nicht gefällt, weil sie Nazis und Co. lesen wollen, können sie einfach mit ihrem Account auf eine andere Instanz umziehen. Zumindest theoretisch. Praktisch ist das mit dem einfachen Umziehen noch in der Entwicklung, aber es wird dran gearbeitet.

Die Wahl der Instanz ist dann anfangs auch eigentlich nicht so wichtig. Und auch nicht so schwierig. So gibt es zum Beispiel die Instanz des Entwicklers von Mastodon, mastodon.social, und eine Instanz für den Chaos Computer Club, chaos.social. Für Teilnehmer des #tkschland, eines Twitterertreffens (und zukünftig vielleicht Trötertreffens?) für Fußballfans, gibt es tkschland.de. Und für Freunde von mir natürlich elb.cloud. Diesen Blog findet ihr dort auch, wenn ihr ihm folgen wollt: @moin@elb.cloud.

Um Leute zu finden, mit denen man bereits auf Twitter verbunden ist, ist bridge.joinmastodon.org sehr hilfreich. Dort könnt ihr euch mit beiden Accounts (Twitter und Mastodon) einloggen und die Nutzer abgleichen.

Ein Paradies für Techniker

Das Setup einer eigenen Instanz ist sehr einfach. Es reicht zum Beispiel ein Cloud-Server eines bekannten deutschen Anbieters mit 1GB RAM, und dann folgt man einfach nur noch dem Production Guide. Allerdings sollte man sich mit Serveradministration schon ein wenig auskennen, ansonsten kann es eine Weile dauern, bis man die Fehler identifiziert und abgestellt hat.

Als Server wird nginx empfohlen, im Hintergrund werkeln node.js, PostgreSQL und Ruby. Für die sichere Verschlüsselung der Kommunikation wird auf Let’s Encrypt gesetzt, so dass die Zertifikate ebenfalls kostenlos zur Verfügung stehen. Ich empfehle zudem den Einsatz eines Mailkontos und den Versand über einen autentifizierten SMTP-Server, so dass die Mails auch ankommen und nicht im Spam-Ordner landen (auch wenn sich das nicht unbedingt vermeiden lässt).

Die Administration ist einfach über die Weboberfläche möglich, und nette Spielereien wie individuelle Icons für die eigene Instanz sind auch mit dabei. Wichtig ist eine Datenschutzerklärung (hierzu zum Beispiel bei mastodon.social bedienen) und natürlich ein Impressum. Eine offene Registrierung würde ich vorerst nur Leuten empfehlen, die sich einen vernünftigen Anwalt für die rechtliche Bewertung leisten können, aber bisher schein das relativ risikofrei, so lange vernünftig moderiert wird.

Und warum?

Neben dem fehlenden kommerziellen Anreiz ist es durchaus auch ein Statement, einem System Auftrieb zu geben, das konsequentere Mechanismen gegen Hass und Hetze und andere unschöne Erscheinungen hat als der Platzhirsch. Quasi direkt mit eingebaut. Es gibt weiterhin eine chronologische Timeline, die nicht mit überflüssigen Tweets geflutet ist, es gibt keine Werbung, und die Serverbetreiber handeln überwiegend altruistisch. Demokratie eben, aber von der Graswurzel aus. Ich mag das. Wann seid ihr dabei?

Was meint ihr? Nur eine weitere Eintagesfliege, oder tatsächlich ein Netzwerk mit Potential? Seid ihr schon dabei? Und wenn ja, was ist euer Benutzername? Schreibt’s uns in die Kommentare!

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