Nicht seines Glückes Schmied

Ich habe am Wochenende mit einer Freundin telefoniert, die von Problemen berichtete, die sie und ihr Freund haben. Sie sagt: „Ich würde ihn so gerne glücklich machen. Aber ich habe das Gefühl, ich schaffe es nicht.“

Dieser Anspruch hat mir zu denken geben und ich möchte ihr sagen: Das ist nicht deine Aufgabe. Ihr Partner hat Stress im Job, finanzielle Probleme und mit psychischen Schwierigkeiten zu kämpfen. So sehr sie ihn liebt, so sehr ihre Beziehung ihm in dieser Zeit Kraft geben mag: Das allein wird ihn nicht zu einem glücklichen Menschen machen.

In beinah jedem schlechteren Liebesfilm taucht diese Floskel auf: „Ich will der Mensch sein, der dich glücklich macht.“ „Ich verspreche dir, ich werde dich glücklich machen.“ – was für ein erschlagender Anspruch an die eigene Rolle innerhalb der Beziehung! Je länger ich darüber nachdenke, desto grotesker finde ich, dass diese Formulierung als heilsversprechender Liebesschwur derartige Anerkennung genießt. Nicht zuletzt, weil sie dem Menschen, dem das all-inclusive Glückspaket garantiert wird, die eigenverantwortliche Gestaltung dieses jeweils persönlichen Glücks weitestgehend abgesprochen wird.

Die Verantwortung für das eigene Leben wird beim Eingehen einer Partnerschaft doch nicht automatisch auf den anderen überschrieben: „Wenn ich unzufrieden bin, bist du der Grund, denn du solltest all meinen übrigen Lebensfrust durch deine unerschöpfliche Liebe kompensieren können!“ Ich kann mir nicht vorstellen, dass in diesem Denken der Schlüssel zu einem zufriedenen Leben zu finden ist.

Ganz abgesehen davon, dass ich es eine komische Vorstellung finde, das Glück eines anderen von meinen Handlungen abhängig zu wissen: Bei aller Liebe für die jeweilige Person, aber dieser Anspruch würde mich doch sehr unter Druck setzen. Weil ich auch gar nicht weiß, wie ich das anstellen soll. Was tut man denn so, um jemanden glücklich zu machen? Frühstück ans Bett? Haare aus der Dusche fummeln? Butter nachkaufen?

Die Freundin, die zu diesen Gedanken Anstoß gab, steht durch diese Forderung, die sie an sich stellt, unter enormen Druck. Sie verlangt von sich, all das, was ihren Partner belastet, aufzufangen und zweifelt, weil ihr das nicht gelingt, sowohl an ihrer Liebe zu ihm – als auch an seiner Liebe zu ihr. Ihre Argumentation: Wenn er mich stärker lieben würde, dann müsste es ihn doch glücklicher machen, dass wir ein Paar sind.

Dass aus dem, was wir Liebe nennen das folgt, was wir mit Glück bezeichnen würden, halte ich für einen Trugschluss. Wenn es gut läuft, geht beides miteinander einher, es ist aber nicht die Aufgabe der Liebe, für Glück zu sorgen. Sondern ruhig zu bleiben, wenn es fehlt. Besonnen zu bleiben, wenn es hektisch wird und nachsichtig zu sein, wenn Fehler gemacht werden.

„Du machst mich gerade sehr glücklich“ oder ähnliches finde ich dabei übrigens wunderbar und eine hervorragende Äußerung: Ein ruhiger, schöner Moment mit dem liebsten Menschen kann zweifelsohne genau das sein, was das letzte Mosaik in einem gänzlich glücklichen Augenblick bildet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.