Keine Ahnung, aber ’ne Meinung!

Geht Euch das gar nicht auf den Keks, dass Ihr immer zu allem eine eigene Meinung haben müsst?

Blödes Beispiel: Wenn ich mir einen Dachdecker buche, um das Dach zu decken, sollte der bitte dringend mehr davon verstehen als ich.
Und vielleicht stelle ich dumme Fragen, aber … hey, er ist der Dachdecker, er hat den Plan.

Anderes blödes Beispiel: Unter #metwo schildern gerade viele Menschen ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus. Jetzt kann ich mich natürlich hinstellen und sagen „Iiiiech der große Curi … weiß wie Brot, mein Migrationshintergrund ist so alt, der hing schon vor der vorletzten Jahrhundertwende tot überm Zaun, blond, blauäugig … also ne, ich hab noch nie Rassismus erlebt. Außer die Ausländer, die mich Kartoffel nennen.“
Ich kann aber auch zuhören und mir denken „Hey, ok. Wenn so viele das schildern … wird wohl was dran sein.“

Warum ist das so schwer?

Warum hören so viele nicht mehr hin, wenn andere was sagen, das sie selbst betrifft?

Ich versteh so vieles nicht, Quantentheorie zum Beispiel.

Hab ich da ’ne Meinung zu?

Nö, höchstens „Oh, spannend, erzählt mal!“.

Ich hab auch ziemlich wenig Ahnung von spanischer Geschichte des 19. Jahrhunderts. Oder deutscher Sprache. Von Gin oder Whisky.

Ich könnte hier ehrlich gesagt ziemlich lange aufzählen, wovon ich keine Ahnung habe. Und ich glaub Euch nicht, dass das bei Euch so anders ist!

Klar, es gibt Bereiche, von denen ich Ahnung habe, da hab ich dann auch eine Meinung, und je nachdem, wie schlau ich mich da fühle, desto stärker oder klarer ist die. Aber dass ich mich schlau fühle, kommt eigentlich eher selten daher, dass ich das von mir einfach so selber behaupte.

Noch so’n Beispiel: Wenn mir … sagen wir mal Pep Guardiola erzählt, wie und warum er seine Mannschaft aufstellt, kann ich ihm natürlich erstmal über den Mund fahren und erklären, dass er die CL garantiert mit Bayern gewonnen hätte, wenn er … oder ich akzeptiere, dass er Gründe hatte und vermutlich trotz meiner 30 Saisons Bundesligatribünenerfahrung mehr davon versteht als ich.

Oder Impfen … Neulich ’ne Doku gesehen:

„Impfen Sie?“

„Nein, im Internet steht, dass das nichts bringt.“

„Aber Mediziner und Ärzte sagen quasi alle, dass Impfen toll ist. Viele Krankheiten wurden so ausgerottet.“

„Das glaube ich nicht.“

Ich hab jetzt auch noch nicht persönlich zugesehen, wie eine Krankheit ausgerottet wurde, aber wenn quasi alle Ärzte (hey, die haben Medizin studiert, und … hoffentlich zumindest sowas wie Ahnung) das sagen …

Aber klar, ich kann auch auf selbsternannte Experten hören. Ist eigentlich Maurer, aber hat Bücher zum Thema geschrieben und deshalb Experte.

Warum? Warum hört Ihr auf Menschen, die ihr „Wissen“ offenbar aus dem Nirvana holen?

Warum folgt Ihr Menschen, die oft sogar zugeben, dass ihnen Fakten scheißegal sind?

Seid Ihr wirklich so dumm?

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