Heimat ist irgendwie das Thema der Stunde. Spätestens, seit wir einen Heimathorst haben. Doch was ist dieses Heimat-Ding eigentlich? Was bedeutet es, was bedeutet es nicht? Fragen, die sich vermutlich jeder etwas unterschiedlich beantwortet.

Auch bei uns schaut das nicht anders aus. Vier Leute aus dem Norden, und doch vier verschiedene Sichtweisen auf das Thema Heimat. Mit Überschneidungen und Unterschieden. Mal groß, mal klein, aber immer eine individuelle Sichtweise. Denn genau das macht Heimat letztlich aus: Persönliche Perspektiven.

Den April nutzen wir kollektiv, um den Begriff für uns in Worte zu gießen und so ein wenig fassbar zu machen.

1. Curi0us - Im Norden geht die Heimat unter
2. MandyMatz - Heimat fern der Heimat
3. rosalaut - Das Dorf in der der Stadt
4. elbblick - Heimat ist.

Im Norden geht die Heimat unter

Heimat.

So ein großer Begriff und für mich so ein kleines Gefühl. ich weiß so wenig damit anzufangen. Was ist überhaupt meine Heimat?

Versuchen wir mal, das ganze biographisch aufzuziehen und fangen wir wirklich mal klein an:
Hamburg, Bahrenfeld, 1980 oder 1985 oder 1990.
Kleine Straße an den S-Bahn-Gleisen.
70m² Wohnung,
3 Zimmer, dritter Stock.
Das Zimmer hinter der Wohnungstür links.
Der Ausblick auf die Straße und die Bäume zwischen mir und der S-Bahn.
Rechts aus dem Fenster, rechts aus der Haustür der Sportplatz meiner Schule.
Zuhause.

Ist Zuhause Heimat?

Ist Schule Heimat?

Wikipedia sagt, es sei der Ort, „in den Mensch hineingeboren wird und in dem die frühesten Sozialisationserlebnisse stattfinden“. Sozialisiert wurde ich auch in der Schule. Als ist Schule Heimat.

So ist das, was ich da oben beschreibe also Heimat.
Mein 1970er, mein 1980er Zuhause. Dort bin ich groß geworden, aufgewachsen, habe gelernt, habe gelebt, eben Sozialisation erlebt.

Wenn es um Sozialisation geht, ist auch das Millerntorstadion ein wichtiger Ort. Schon wieder Heimat. Nicht hineingeboren und biographisch viel später erst wichtig, aber dann eben schon sehr. Kann ein Fußballstadion „Heimat“ sein? Und wohin führt das die Gedanken?

Sozialisation meint sehr vereinfacht gesprochen, dass Normen und Werte, Verhaltensmuster, Bedeutungen durch das „mit der Umwelt interagieren“ entstehen. Der größte Teil der für Normen- und Wertevermittlung Interaktion geschieht jedoch nicht mit Orten oder Dingen, nicht mit Häusern und Bäumen, sondern mit Menschen.

Ist Heimat vielleicht und eigentlich Menschen, die uns prägen? Und wenn ja, wann hört das auf?

Ich weiß: „Heimat ist der Ort in den Mensch hineingeboren…“. Aber welche Bedeutung hat dieser Ort und welche Bedeutung haben die Menschen?

Warum wird diesem Ort so viel Gewicht beigemessen? Im Nachhinein sicher nicht mehr austauschbar, aber eigentlich doch nur Projektionsfläche für das, was passierte. Das was meine Eltern, meine Lehrer (ob ich sie mochte oder nicht), meine Freunde (ob ich sie mochte oder nicht) mit mir machten.

Heimatministerium.

Nun reden wir also vom Heimatministerium und vom Heimatschutz und meinen offenbar etwas ganz anderes, etwas viel größeres als das Kindheitszuhause, das – seien wir mal realistisch – eh nicht (mehr) beschützbar ist, weil schlicht ein bis drei Jahrzehnte in der Vergangenheit. Solang keiner einen Delorean hat, mit dem er dahin zurückkehren kann.

Heimat“ wird aufgeladen. Unsere Heimat.

Als wäre das ein Besitz. Etwas fast schon religiöses.

Plötzlich gehört Heimat irgendwem. Nein, nicht irgendwem. Heimat gehört „uns“.
Und je nachdem, wer spricht sind „wir“ die, die dort wohnen, die, die dort geboren sind oder schlimmstenfalls die, die einen deutschen Pass  besitzen (noch schlimmer: Die, deren Eltern und Großeltern auch schon… lassen wir das). Und wenn etwas jemandem gehört, kann man es auch wegnehmen.

DIE NEHMEN UNS UNSERE HEIMAT WEG!

Und ich frag mich nur „wie?“.
Meine Heimat, mein Zuhause nimmt mir keiner weg. Kann mir keiner weg nehmen.
Mein Zuhause ist in mir.
Meine Heimat ist auch und vor allem Erinnerung und fühlen. „Hineingeboren in einen Ort“ – was und wie es war, damals – als ich aufwuchs.

Teile dieser Heimat haben andere auch (nämlich die, die auch dort groß wurden). Und das ganz ohne dass es dadurch für mich weniger wird. Blöde gesagt ist doch der Wert von Heimat für jemanden aus einem Großstadtstadtteil mit 100.000 Einwohnern und der Wert von Heimat für jemanden aus einem Weiler mit 5 Einwohnern derselbe. Und nicht einmal 1/5 Heimat und einmal 1/100.000.

Also ändert sich nichts am Wert von Heimat, wenn aus den 100.000 plötzlich 110.000 werden. Nichts, wenn aus den fünf plötzlich sechs werden.

Ich werde daraus wirklich nicht schlau.

Wäre Heimat ein Ding, dann könnte man anders darüber reden. Dann wäre es teilbar. Ver-teilbar. Dann hätte jeder seinen Teil von DER Heimat. Und jeder weitere, der einen Teil davon wollte, würde einem oder allen etwas von ihren Teilen nehmen.

Aber Heimat ist doch eigentlich ein Gefühl.

Und Gefühle werden doch nicht schlechter, wenn andere sie auch haben.
Wird Liebe weniger, wenn andere auch lieben?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.