Hier hänge ich und kann nicht anders

Die liebste Ausrede der Welt ist ja seit jeher einfach das eigene so-Sein als unabdingbar und gegeben zu postulieren.

Warum macht man etwas? Klar, weil man eben „so ist“.

Welt ist eben statisch. Mensch spätestens mit der Geburt, wahrscheinlich eher mit der Zeugung schon so, wie Mensch ist. Nicht umsonst glauben so viele ernsthaft an Horoskope, an Wahrsagerei. Welt ist Welt und bestimmt das Sein und Werden. Und wenn das Werden determiniert ist, müssen wir uns eigentlich ja auch über nichts mehr den Kopf zerbrechen, weil wir ja sowieso keinerlei Einfluss darauf haben.

(Wer hier protestieren möchte, kann in dem Kontext bitte kurz sein Verhalten gegenüber Kritik hinterfragen.)

Du hast dich scheiße verhalten? „Tschuldigung, ich bin einfach so“.

Wobei … wenn du so bist, hast du dich nicht nur scheiße verhalten, dann bist du dummerweise vielleicht sogar scheiße.

Diese dogmatische Akzeptanz des Schicksals und die damit einhergehende Fortschreibung des Status Quo für immer und ewig ist letztlich nichts weiter als die perfekte Delegation von Verantwortung für alles an das Universum.

Die Unveränderbarkeit des Selbst als Ursache allen Handelns und vor allem Nichthandelns.

Zumal die gleichen, die sich auf ihr so-Sein zurückziehen, ja oft trotzdem versuchen, das Beste aus der Situation oder ihrem Leben zu pressen.

Beste Diskussionen sind aber eben doch die, in denen das Gegenüber gemachte Fehler bestenfalls als „joah“ hinnimmt, aber daraus weder das Bedürfnis ableitet, um Verzeihung zu bitten, oder gar zukünftiges eigenes Handeln zu überdenken. Ist eben so.

Mich persönlich regt ja dann besonders auf, wenn Gruppenzugehörigkeit als Argument kommt. „Ich bin eben ein Mann!“

Na danke. Ich auch. Muss ich jetzt auch so sein? Echt? Und wenn ich nachdenken und mich gegen mein „so-Mann-Sein“ wehren kann? Wenn ich nicht jeder Frau auf den Arsch gucken muss und nicht jede Gelegenheit für einen Scheißspruch nutze?

Bitte, liebe Mitmenschen fangt doch mal an Euer Handeln zwischendrin selbstkritisch zu hinterfragen. Ist gar nicht so schwer. Wir machen alle Fehler. Mal größere, mal kleinere, das passiert.

Und wenn nicht selbst-kritisch, dann doch wenigstens, wenn andere Euch zuraunen, dass das gerade eventuell vielleicht doch etwas scheiße war.

Kaum jemand nimmt „normale“ Fehler länger krumm. Der Trick wäre dann aber doch, mal denen, die einem den Fehler vor die Nase halten, zuzuhören, und sich zu fragen, ob da nicht doch ein minimalklitzekleinesbisschen dran sein könnte. Bestenfalls beim nächsten Mal dann auch anders handeln. Aber das wäre schon fast die Profi-Variante.

Hört einfach mal offen zu, was Gegenübers so erzählen über ihre eigene Wahrnehmung, über ihre eigenen Gefühle.

Wenn jemand „das, was/wie Du da machst fühlt sich für mich doof an!“ sagt, sollte es doch ausreichen, sein Verhalten zu ändern? Oder macht Euch das klammheimlich Freude, wenn ihr anderen doofe Gefühle macht? Echt? „IST ABER NICHT SO GEMEINT!“

Nee, aber wenn Du jetzt weißt, wie es sich für andere anfühlt … na ja? Wie sag ich’s?

Macht es Euch ruhig bequem in Eurer Hängematte des so-Seins. Erwartet nur bitte echt nicht von mir, dass ich Euch dann noch ernst nehme. Ist halt so.

2 Kommentare

  1. Moin,
    schön geschrieben.
    Ich persönlich finde es eigentlich sehr schade, dass es einem scheinbar auch immer schwerer fällt, jemand anderes zu kritisieren. Wenn ich eine Meinung habe, sage ich das auch. Es kann sein, dass ich da mal zu direkt bin. Aber ich kann es eigentlich nicht beurteilen, da ich zu selten kritisiert werde. Das würde ich mir öfters wünschen. Viele gehen auf Distanz und erst dann merkt man, das wohl etwas schief gelaufen ist…
    Generell: Man sollte mehr miteinander reden.

    1. Moin und danke!
      Hängt wohl auch zusammen, schätze ich. Je weniger Kritik geäußert wird, desto „besonderer“ wird sie. Und dann ist ein „Ich seh das anders“ plötzlich keine inhaltliche Anmerkung mehr, sondern direkt ein Angriff… Aber ja, miteinander reden hilft schon oft. Vor allem auch einander zuhören.

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