Insomnia

Der Tagesrhythmus des Bürobewohners wird ja häufig immer noch von Arbeitszeiten vorgegeben, deren Herkunft ein wenig im Dunklen liegt. Bzw. eigentlich wohl eher im Hellen. Tageslicht als Argument, wann denn anzufangen sei. Das war vor 500 Jahren ohne elektrisches oder anderes Licht sicher durchaus nachvollziehbar. Und auch in Jobs, die sich zumindest in größeren Teilen an der frischen Luft abspielen, kann ich das nachvollziehen.

Dass aber der Homo-Büroikus immer noch auf Kernarbeitszeiten von 8-17 Uhr festgetackert wird, ist in Zeiten, in denen es  wissenschaftlich bewiesen ist, dass unterschiedliche Menschen eben zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten ihren Leistungshöhepunkt haben, nicht nur extrem verbohrt. „Hammwa schon immer so gemacht.“ Es ist auch in schlimmster kapitalistischer Verwertungslogik verschwenderisch, weil schließlich so Arbeitsleistung und -qualität dem gesellschaftlich vorgegebenem Tagesrhythmus geopfert werden.

Der Austausch von Informationen ist heute so oft zeitautonom möglich: Emails müssen nicht synchron gesendet und empfangen werden, und Termine können so auch wunderbar in Überschneidungszeiten gelegt werden. Wo ist also die wirkliche Herausforderung zu sagen: „Mach Deine Arbeit, aber mach sie, wenn Du willst“?

Zu Uni-Zeiten hab ich nahezu alles, was ich produktiv außerhalb der Hörsäle getan habe, zwischen 22:30 abends und 4:00 morgens gemacht. Nicht, weil ich rebellieren wollte, sondern weil ich mich dann am besten konzentrieren konnte.

Wir hatten zu Schulzeiten mal ein Halbjahr lang eine „Frühstunde“. 07:10 bis 07:55. Wollt Ihr raten, in welchem Spanisch-Kurs das Notenniveau am schlechtesten war? Wie viele Schüler einfach „anwesend“ waren, weil sie ihre Augen nicht auf, ihr Gehirn nicht ‚an‘ bekamen?

Was soll das alles? Können wir bitte endlich anfangen, Arbeitszeiten an die individuellen Biorhythmen anzupassen?

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