Arbeitlos durch den Tag

Then and Now

Arbeitszeiten sind ja vermutlich seit jeher im Wandel. Früher – ganz früher – ging man los wenn die Tiere schrien oder die Sonne aufging oder so. Und mutmaßlich kam man dann heim wenn die Sonne wieder unterging oder eben die Arbeit getan war (angeblich hatten die damaligen Selbstversorger ja gar nicht sooo viel zu tun und keine 8-16-Stunden-Tage).

Das veränderte sich dann so langsam über die Menschheitsgeschichte.  Ein paar Jahre später: Sesshaftwerdung, Industrialisierung, Elektrifiziertung sowas. Und wir arbeiten heute roundabout 40 Stunden pro Woche – die meisten irgendwie zwischen 7 und 18 Uhr.

Muss das so?

Was für öffnungszeitabhängige Branchen (Handel!) natürlich sinnvoll ist, schließlich kommen die meisten Kunden wohl tagsüber (und vor allem: Schließlich muss ja irgendwer da sein, wenn der Laden geöffnet ist) verliert gerade im Dienstleistungssektor rapide an Bedeutung:
Warum muss man von 8:00-17:00 im Büro sein?
Weil Kunden anrufen könnten.
Spontan.

Wenn man nicht mit den so genannten Endkunden zu tun hat, sondern mit anderen Firmen – mit wie vielen Kunden spricht man da so am Tag? Und wie oft ist man dann doch nicht erreichbar, schreibt eine Email „können wir morgen gegen x:xx reden?“. Ganz oft kein Problem, oder?

Wie viele Menschen haben in ihren Berufen überhaupt keinen Kontakt mit Kunden?
Wie viele arbeiten in Jobs, in denen ihre Kollegen die einzigen Ansprechpartner sind?
Und selbst da gibt es sicherlich genug, die physisch präsente Kollegen eigentlich nicht bräuchten.

Vielleicht kommt man auf Basis der oben kurz geschilderten Überlegungen zu dem Resultat, dass lineare Arbeitszeiten (ich nenne sie jetzt mal so, in Analogie zu linearem Fernsehen, das gerade radikal durch weitgehend zeitlich autonomes Streaming abgelöst wird) für viele nicht mehr nötig sind.

Man könnte mal darüber nachdenken, ob „Streaming“ auch für Arbeitszeiten möglich ist. Was spricht eigentlich dagegen, wenn ich im Wochenmittel auf meine 40 Stunden komme, aber – natürlich unter Berücksichtigung von Kundenwünschen – z.B. 30 davon völlig frei verteile.
Montags von 20:00-02:00
Dienstags zwischen 13:00 und 17:00 und ab 21:00 noch vier Stunden
Mittwochs von 10:00-21:00
Donnerstags gar nicht
Freitags…
und so weiter.

Wollen wir das?

Nun ist ja nicht alles, was möglich ist auch unbedingt wünschenswert.

Wie seht Ihr das?

Weitgehend frei bestimmbare und flexible Arbeitszeiten – wollen wir das?
Wollt Ihr das?
Wenn nicht: Für Euch selber nicht, oder seht Ihr gar ein größeres Problem, weil das alle negativ beeinträchtigen könnte?

Ich leg mal vor:
Dagegen spricht sicherlich die „Gefahr“, dass man sich so „noch mehr von Arbeitgebern ausnutzen lassen kann“.  „Du musst jetzt aber echt mal 12 Stunden raushauen, damit!“

Andererseits macht es wohl für viele auch keinen Unterschied, ob sie nun zu viel von 18:00-21:00 Uhr arbeiten oder zwischen 14:00 und 17:00 oder wann auch immer.

Für einige wird sicher dagegen sprechen, dass dann noch mehr Möglichkeiten bestehen, dass man seine Familie weniger häufig sieht.
Andererseits kann man – wenn denn alle in der Familie flexible Arbeitszeiten hätten – auch viel leichter mal ganze Tage füreinander frei halten.
Oder sich mit Freunden unkomplizierter mal den Mittwochnachmittag nehmen und was gemeinsam machen. Nächste Woche. Nicht jede Woche.

Und an sich ist es heute ja auch nicht so, dass man automatisch ähnliche Arbeitszeiten hat. Beispielsweise, wenn einer im Schichtdienst und der andere nicht arbeitet etc…

Wie alles wird auch flexible Arbeitszeit positive und negative Aspekte haben.

Aber ich bin davon überzeugt, dass die positiven überwiegen!
Weil ich glaube, dass die meisten Menschen durchaus in der Lage sind, sich da selber einen „Arbeitsplan“ zu basteln, der ihren Bedürfnissen (angefangen vom Schlafrhythmus über Zeit für die Familie, wenn die anderen auch zuhause sind, bis hin zu auch räumlichen Abwesenheiten wie längere Wochenendausflüge etc).
Weil ich weiß, dass ich wenn ich einfach „dahin“ leben kann zwischen 21:00 und 03:00 meine produktivste Phase habe.

Wie seht Ihr das? Grundsätzlich gut? „Aber Sonntag gehört Papi mir“? Gibt es Graustufen? Immer her damit. Wann wollen wir arbeiten? Wann wollt IHR arbeiten?

Ein Kommentar

  1. Mein aktueller Arbeitgeber bietet mir Gleitzeit. Zwischen 06.00 und 20.00 muss ich mindestens 4 Stunden im Büro sein und lt. Gesetzgeber nach 10 Stunden ist Schicht im Schacht.
    Das wird bei uns aktiv gelebt und jeder gestaltet sich das so wie er es braucht. Klappt famos.

    Das ist flexibel genug bei einer 40 Stunden per Woche, oder?
    Für mich bedeutet das: Früh da sein, früh gehen – nachmittags viel Zeit mit dem Kind. Jeden Tag. Ohne einen „Arbeitsplan“ basteln zu müssen.

    Unser Arbeitgeber hat uns so gut eingestellt, dass wir massiv unterschiedliche Menschen mit klar verschiedenen Tagesrythmen sind. Schnittstellen in der Arbeitszeit gesichert und es ist immer jemand da.

    Zwischen 21.00 und 02.00 arbeiten „zu können“ bedeutet Home-Office.
    Muss ich nicht haben.
    Zu Hause ist wichtig und wird für mich auch mit dem Gefühl des „Nach Hause Kommens“ geprägt – klare Differenzierung von der Arbeitsstelle. Vielleicht altmodisch das mit Räumlichkeiten zu verbinden, aber die Trennung ist für mich noch zu erheblich. Mag sich ändern wenn das Kind aus dem Haus ist…

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